Ein Baum bietet Geborgenheit
Warum engagiert sich jemand ehrenamtlich?
Über Jahrtausende bot der Wald dem Menschen Sicherheit und Geborgenheit. Nicht verwunderlich also, dass gerade die schützenden Äste eines Baumes die Fassade des Elternhauses für krebskranke Kinder in Essen zieren.
Jährlich erkranken in Deutschland durchschnittlich 2000 Kinder an einem bösartigen Tumor oder Leukämie. Eine Therapie ist äußerst belastend für das Kind, sowohl physisch als auch psychisch. Während der Behandlung wird das Kind immer wieder von seiner Familie und seiner häuslichen Umgebung getrennt.
"Während meines Aufenthalts wollte ich unbedingt meine Katzen sehen", erzählt beispielsweise der junge Dominik, der eine Knochenmarktransplantation hinter sich hat und für drei Monate im Isolationsraum abgeschottet von Bakterien, Vieren und sonstigen schädlichen Einflüssen leben musste. "Im Isolationsraum sind ja keine Tiere erlaubt. Sie haben mir so sehr gefehlt. "
Selbstverständlich ist eine derart schwerwiegende Erkrankung nicht bloß für die Kinder eine große Belastung. Auch die Eltern leiden darunter, können vielleicht mit den Sorgen, Problemen und Ängsten nicht umgehen.
Die Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder e.V. versucht genau an diesem Punkt anzuknüpfen. Das Elternhaus befindet sich in unmittelbarer Nähe der Kinderklinik, bietet gleichzeitig aber genügend Abstand zum Klinikalltag. "Hier können die Eltern nicht nur Übernachtungsmöglichkeit, sondern auch den Austausch mit anderen betroffenen Eltern, Gesprächskreisen und Vorträgen, Freizeitangebote und im traurigsten Fall auch Beistand bei der Trauer wahrnehmen", berichtet Heide-Marie Mehl, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Elternhaus. "Es ist alles da, jedes Elternteil hat die Möglichkeit, auf seine persönliche Weise abzuschalten und Kraft zu schöpfen für den nächsten Tag."
Der Vereinsvorstand der Elterninitiative, die sich als Selbsthilfegruppe versteht, arbeitet komplett ehrenamtlich. Ansonsten arbeiten heute Betroffene, Nichtbetroffene, Ehrenamtliche und Hauptamtliche gemeinsam für die Elterninitiative, die 1983 als ausschließlich ehrenamtliche Selbsthilfegruppe betroffener Eltern ins Leben gerufen wurde.
Mehl ist eine der ehrenamtlichen Mitarbeitern. Nachdem sie 29 Jahre lang in der Neurologie des Klinikums als Krankenschwester gearbeitet hat, ist sie im Jahr 2000 in Rente gegangen. Neben ihren sonstigen Hobbies - Reisen, Fotografieren, Schwimmen und Wandern - suchte Mehl aber eine sinn- und verantwortungsvolle Freizeitbeschäftigung. Heute leitet sie den Bastelkurs mit, kocht für die Eltern, kümmert sich um die Kinder, wenn die Eltern an Gesprächsrunden oder Vorträgen teilnehmen, hilft an Infoständen aus und organisiert Treffen, bei denen sie auch für den Service zuständig ist.
Mehl ist von der Elterinitiative überzeugt. Was die engagierte Mitarbeiterin jedoch am meisten bewundert, sind die Kinder. "Es ist erstaunlich, wie gut sie mit ihrem Schicksal umgehen. Wir hatten einen Jungen hier, der an einem Retinoblastom, einem Tumor an hinterem Augapfel, litt und eine Augenprotese bekommen musste. Als ich ihn fragte, wo denn nun sein Auge sei, meinte er einfach ,Futsch!' und spielte weiter."
Der größte Lohn für Mehls Arbeit ist selbstverständlich das Lachen der Kinder. "Auf einem Basar, auf dem ich Sachen für das Elternhaus verkaufte, kam ein Kind zu mir und war begeistert von einem roten Schal. Als ich ihm den Schal schenkte, bekam es große Augen und schrie aus vollem Halse ,Danke!'. Erst als es freudestrahlend weglief bemerkte ich den Urinbeutel, der an der Seite des Kindes hing."
In ihrer Arbeit im Elternhaus geht die Rentnerin auf, denn diese hilft nicht ausschließlich den Kindern: "Auch wenn ich mich selbst mal schlecht fühle, baut mich die ehrenamtliche Arbeit ungemein auf. Ich gehe nach Hause und weiß, ich habe meine Zeit genutzt und etwas Gutes getan."
Spendenkonto:
Kto: 1955111
BLZ: 36050105
Sparkasse Essen
Name d.R. bekannt.
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