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NEWS - Ein kleiner Schritt zurück ins Leben

NEWS - Ein kleiner Schritt zurück ins Leben

Zweimal im Jahr treffen sich im Elternhaus verwaiste Mütter und Väter. Sie leisten gemeinsam Trauerarbeit - und lassen sich verwöhnen

Wenn ein Kind stirbt, verlieren Eltern oft den Boden unter den Füßen. Trauer kennt vielfältige Formen. "Es gibt Eltern, die sich komplett zurückziehen, das Kinderzimmer unangetastet lassen, einen Altar mit Erinnerungsstücken aufbauen. Und es gibt Eltern, die stellen sich dem Schmerz, leisten Trauerarbeit, versuchen, ins Leben zurückzufinden", weiß Peter Hennig, Vorsitzender der Elterninitiative krebskranker Kinder, die das Elternhaus an der Kaulbachstraße in Holsterhausen unterhält.

Zweimal im Jahr, im Frühling und im November, treffen sich dort verwaiste Mütter und Väter zum "Elterntag". "Das sind die, die sich mit der Trauer auseinandersetzen, die im Gespräch mit anderen Betroffenen Trost und Hoffnung finden", sagt Hennig. Seit fünf Jahren arbeitet die Elterninitiative mit der Diplom-Theologin Carmen Birkholz vom "Institut für Lebensbegleitung" zusammen.

Die Gruppe, die sich zum "Elterntag", trifft, ist keineswegs homogen. Was aber alle verbindet, ist der Verlust des Kindes durch Krebs. Manchmal ist der Schmerz noch ganz frisch, bei anderen liegt der Tod des Kindes schon Jahre zurück. Doch die Wunden sind noch längst nicht verheilt. Für viele auswärtige Betroffene war das Elternhaus Zuhause auf Zeit, ein Ort zum Durchatmen zwischen den Klinikbesuchen. Wer nicht im Elternhaus gewohnt hat, weil er sowieso in Essen und Umgebung lebt, wird von der Station im Klinikum zum "Elterntag" eingeladen.

Rund 40 Eltern pro Termin erhalten Post, knapp die Hälfte sagt zu. Es gibt Eltern, die kommen jahrelang. Sie wissen es zu schätzen, dass sie auch ohne viel Worte in ihren Empfindungen verstanden werden. "Wichtig sind die Gespräche mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, aber auch Aktionen, die nicht Ablenkung sind, sondern etwas mit dem verstorbenen Kind zu tun haben", sagt Carmen Birkholz. In der Vorstellungsrunde sprechen die Teilnehmer über sich und ihr verstorbenes Kind, erzählen ihre Geschichte. "Das läuft mehr oder weniger intensiv ab, Weinen ist dabei natürlich erlaubt. Wir versuchen, die Eltern emotional aufzufangen. Wer es nicht aushält, kann die Runde jederzeit verlassen, und einer von uns kümmert sich", sagt Carmen Birkholz. Früher hätten mehr Frauen das Angebot des "Elterntages" angenommen, heute kämen die Paare oft gemeinsam, beobachten die Mitarbeiter die Veränderung. Nach der Vorstellung gibt es erst mal etwas zum Verwöhnen - im Frühling vielleicht einen exotischen Saft, im November einen heißen Punsch. "Trauer ist anstrengend, man muss sich auch etwas Gutes tun", weiß die Theologin. Im Laufe des "Elterntages" gibt es eine kurze Meditation mit Texten und Bildern - und eben die Aktionen im Gedenken an das verstorbene Kind. Brot backen, einen Stein fürs Grab bemalen, Kerzen drehen, Wellness-Tees mischen, Weidenkörbe flechten und sie mit Frühlingszwiebeln als Symbol des Neubeginns bepflanzen, einen Adventkalender mit den eigenen (!) Wünschen gestalten - all das kann trösten. "Ein Elternpaar hat 'ein Baby' auf den Wunschzettel geschrieben, und die Frau war tatsächlich kurz darauf wieder schwanger", erinnert sich Carmen Birkholz. "Wichtig ist, dass die Eltern im übertragenen und wörtlichen Sinne etwas mitnehmen können." "Wir lachen und weinen gemeinsam. Es ist ganz wichtig, dass die Eltern zurück ins Leben finden, denn oft gibt es ja auch Geschwister, die Anspruch auf ein normales Familienleben haben", erklärt Hennig, der von Sozialpädagogin Marina Meyer-Pohrt und Kinderkrankenschwester Iris Jost unterstützt wird. Durch die "Elterntage" seien schon viele Kontakte zwischen Familien entstanden oder vertieft worden. (Dieser Artikel stand in der WAZ vom 19.04.2011 Autor: Elli Schulz)

Eintrag vom: 19.04.2011
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